Maschinen haben keine Kinder

Auf der Hannover Messe dürfen diese Woche Besucher aus der ganzen Welt staunen, wie Roboter und Maschinen unseren Alltag verbessern können. So aufregend es klingen mag, möchte ich nur kurz fragen : sind Kinder in der Messe auch erlaubt? Wenn ja, dann läuft es vielleicht einigen Robotern kalt den vermeintlichen Rücken herunter. Dieser Beitrag geht um ein grosses Missverständnis. Es erzählt von Maschinen und Kindern.

Meine Kinder, die digitalen Ureinwohner

Alle Eltern über 40 sind Einwanderer. Ich sowieso, da ich erst mit 32 nach Deutschland kam. Aber alle Erwachsenen in meiner Generation und älter sind es auch auf eine andere Weise. Wir sind in die digitale Welt eingewandert. Meine Kinder dagegen sind sogenannte „digitale Ureinwohner“. Sie sind Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind.

Das ist doch klar. Babies werden kurz nach der Geburt schon vor einen Bildschirm gehalten, damit sie Verwandte und Freunde via Skype bis zum anderen Ende der Welt sehen können. Seine Matratze meldet sich laut, sobald das Baby nicht laut genug atmet und das Babyphon spielt ein Schlaflied, wenn es zu laut brüllt, weil die Matratze es geweckt hat. All diese Maschinen verbessern unseren Alltag mit Kindern. Oder nicht?

Übrigens wäre Skype ja ein Prima Kommunikationsgerät, wenn das Kind nicht dauerhaft versuchen würde, auf der Tastatur mit zufälligen Tastenkombinationen zu experimentieren, bis der Computer entweder einen Neustart oder einen tiefgefrorenen Eindruck macht.

Das technologische Missverständnis

Die Geschichte von Maschinen und Kindern ist, meiner Meinung nach, eine Geschichte voller Missverständnisse. Dabei kann man aber nicht sagen, dass beide Seiten sich nicht bemüht haben. Lasst mich von meinem Induktionsherd erzählen. Es ist vorgesehen, dass der Herd sich sperren lässt, damit die Kinder ihn nicht aus Versehen -oder nicht- in Betrieb nehmen. Problem: mein Herd glaubt, dass ich ein Kind bin, und sperrt sich dermassen, dass ich mir nur noch mit Hilfe der Gebrauchsanleitung und viel Geduld eine Tasse Tee kochen kann. Wenn ich meinen Herd anschreie: „Ich bin doch erwachsen, entsperr dich verdammtes Ding!“ geht es leider nicht. Wo ist die Technologie, wenn man sie braucht?

Die Beziehung der Kinder zu ihrer Digitalen Welt ist aber nicht negativ, ganz im Gegenteil. Kinder suchen die Technologie, auch wo sie nicht ist. Als Zweijähriger versuchte mein Sohn stets, mit seinen Fingern über gedruckte Bilder zu streichen, wenn er ein traditionelles Fotoalbum anschauen wollte. Auf der anderen Seite, macht er seine Youtube Video ungewollt auf „Pause“, sobald er Bob der Baumeister auf dem Touchscreen anfassen will. Diese Maschinen verstehen ja gar nichts, aber sie versuchen es zumindest.

Nur eine Ausnahme : Siri, die Stimme, die im iPhone meines Mannes lebt. Meine Tochter (8 Jahre) hat schnell mitbekommen, dass Siri die richtige Antwort liefert, wenn man sie das Einmaleins fragt. Damit lassen sich die Mathehausaufgaben blitzschnell erledigen. Wir mögen Siri, stellen ihr ganz dumme Fragen und lachen viel. Nur schade, dass Siri nie lacht. Vielleicht kann sie das in der nächsten Version des iPhone. Wenn mein Mann von der Arbeit zurückkommt werde ich Siri sagen, was der automatische Anrufbeantworter meiner Bank nicht verstanden hat, als mein Sohn es ihm gesagt hat: „ich muss Kaka“. Ich erwarte keine Antwort, aber neugierig bin ich doch ein bisschen.

Christine

Mama von drei kleinen schlauen Kindern.

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